Kulturgut "leben" - unser Umfeld hat sich verändert

von Christian Sch… 12/12/2019
Szenethema
Kulturgut "leben" - unser Umfeld hat sich verändert

Wenn wir uns auf das „historische Kulturgut“ berufen, müssen wir das auch respektvoll „leben“

Kommentar Ing. Karl Eder

Seit Jahren wird die Erhaltung des technisch-historischen Kulturgutes als unser Leitbild dargestellt, nicht zuletzt auch um Ausnahmen für unsere Fahrzeuge zu rechtfertigen.

Was ist darunter zu verstehen?

Eigentlich ganz einfach, man sollte das Fahrzeug in einem möglichst originalgetreuen Zustand erhalten und durch entsprechende Benutzung einerseits den technischen Fortschritt dokumentieren aber im Gegenzug auch die historische Substanz möglichst schonen. Das Eine schließt das Andere nicht aus, durch das Herumstehen wird die Technik eher kaputt als funktionsfähig am Leben erhalten – man muss nur das richtige Maß finden.

Und beim „richtigen Maß“ wird es schon schwierig, gerade jene die sich über Anfeindungen oder Probleme beschweren, verhalten sich oft recht rücksichtslos gegenüber unbeteiligten Personen.  Liebe Leute: mit quietschenden Reifen wegfahren oder einen unbefestigten Parkplatz  „umackern“ machen nur unter 20-jährige oder schwerst Komplex beladene – und es hat auch nichts mit der „artgerechten“ Bewegung eines historischen Fahrzeuges zu tun.

Immer öfter höre ich, dass Oldtimerfahrten bei der Bevölkerung und bei Ausflugszielen nicht mehr jene Beliebtheit genießen als noch vor 10 oder 20 Jahren - um es vorsichtig auszudrücken. Das hat aber nur ganz wenig mit dem geänderten Umfeld zu tun, sondern in den meisten Fällen mit dem Verhalten mancher Oldtimerbesitzer und auch Veranstalter.

Wie schon in den letzten Clubnachrichten erwähnt ist der Straßenverkehr in den letzten Jahren immer dichter geworden, von den immer unachtsameren Verkehrsteilnehmern ganz zu schweigen. Wir müssen daher auf uns selber aufpassen – also auf unser Kulturgut. Aus eigener Erfahrung weiß ich aber, dass das mit einem eindeutig als „Oldtimer“ für den Außenstehenden erkennbarem Fahrzeug leichter umsetzbar ist, als mit der 31 Jahre alten Massenware die Containerweise aus Amerika geholt wird. Ein Vergleich: als unser Club 1985 gegründet wurde, waren meine Alltagsfahrzeuge so um die 10 Jahre alt, alles was über 15 oder 20 Jahre alt war, war einerseits schon am Ende seines Fahrzeuglebens und eben bestenfalls schon „am Weg zum Oldtimer“ – zumindest für uns Neulinge damals. Heute ist es überhaupt kein Problem mit einem 20 oder 25 Jahre alten Auto den Alltagsbetrieb zuverlässig und mit relativ geringem Reparaturaufwand zu bewältigen.

Wenn ich z.B. mit einem Topolino unterwegs bin und eben nur 65 km/h fahren kann, werden das alle Außenstehenden als  Oldtimer erkennen und zeigen praktisch immer Verständnis für die Behinderung des Verkehrs. Es ist aber meine Aufgabe diese Behinderung für andere möglichst gering zu halten, sowohl was die Auswahl der Fahrtstrecke als auch die Tageszeit betrifft.

Zur Erhaltung des Kulturgutes gehört natürlich auch die Instandhaltung des Fahrzeuges, sowohl technisch als auch von der allgemeinen Pflege. Auch ein historisches Gebäude wird nicht mutwillig verfallen gelassen um zu sehen was passiert wenn es reinregnet, und im Gegenzug wird man es nicht mit moderner Technik vollstopfen um es zu verbessern. Eine kaputte Lackstelle gehört ausgebessert und nicht der Rost  sichtbar versiegelt. Kaputte Technik gehört repariert – zumindest wenn ich damit auf öffentlichen Straßen unterwegs sein will, nicht nur der Umwelt zuliebe, sondern auch um Freude mit dem Fahrzeug zu haben. Die vermeintlichen Verbesserungen sind meistens Verpfuschungen, besonders große Fahrzeughersteller haben sich bei der Konstruktion und Erprobung durchaus etwas gedacht, und bei Einhaltung der meistens vorhandenen Werksvorgaben funktioniert das alles auch einwandfrei.

Das alte Kulturgut – egal ob Gebäude, Fahrzeug oder Möbel – ist eben im Gebrauch nicht so komfortabel wie moderne Gegenstände, wir sollten es so originalgetreu wie möglich erhalten um nachkommenden Generationen eben die Entwicklung darzustellen. Diese Botschaft muss auch so überbracht und eben „gelebt“ werden. Nur so werden wir auch zukünftig Verständnis für unser Hobby und unsere Anliegen von der übrigen Bevölkerung erwarten können.